„Der Consultingmarkt zeigt sich weiterhin verhalten, aber stabil. Positiv ist, dass die Beratungen wieder etwas zuversichtlicher auf die kommenden sechs Monate schauen“, kommentiert BDU-Präsidentin Iris Grewe die aktuellen Zahlen des GKI. „Die positiveren Prognosen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stimmen zuversichtlich. Die Consultingbranche ist typischerweise ein Trendfolger: Zieht die Wirtschaft an und investieren die Unternehmen stärker, spiegelt sich das mit einem zeitlichem Versatz in der Regel in der Nachfrage nach Beratungsleistungen wider“, so Grewe weiter.
Sanierungsberatung legt deutlich zu
Zwischen den Beratungsfeldern zeigen sich weiterhin deutliche Unterschiede. Am stärksten entwickelt sich die Sanierungsberatung: Ihr GKI steigt um 7,1 Punkte und erreicht mit 110 den höchsten Wert aller Beratungsfelder. Gleichzeitig hat sich die aktuelle Geschäftslage deutlich verbessert: 59 Prozent der Sanierungsberatungen bewerten sie als über Budget, nach 38 Prozent im Vorquartal. Auch die Strategieberatung (+1,8 Punkte auf 95) und die HR-Beratung (+6,0 Punkte auf 85) legen zu. Rückgänge verzeichnen dagegen die IT-Beratung (-1,8 Punkte auf 88) sowie die Organisations- und Prozessberatung (-2,1 Punkte auf 83). Insgesamt fällt der Ausblick in vier von fünf Beratungsfeldern besser aus als die Einschätzung der aktuellen Lage.
Bei den Unternehmensgrößen stechen die großen Beratungen mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz hervor. Ihr Geschäftsklimaindex steigt um 11,2 Punkte auf 99. Gleichzeitig erwarten nur noch fünf Prozent eine Verschlechterung ihrer Geschäfte in den kommenden sechs Monaten, nach 32 Prozent im Vorquartal.
Hohe Nachfrage aus Rüstungsindustrie und öffentlichem Sektor
Die höchste Nachfragedynamik verzeichnen die Beratungen derzeit in der Rüstungsindustrie: 88 Prozent der dort aktiven Befragten beurteilen die Nachfrage als sehr gut oder gut. Es folgen die Energie- und Versorgungswirtschaft sowie Non-Profit-Organisationen und öffentliche Institutionen mit jeweils 39 Prozent. Schwach bleibt die Nachfrage insbesondere aus klassischen Industriebranchen: In der Chemie bewerten 16 Prozent die Nachfrage als sehr gut oder gut, im Maschinenbau 14 Prozent und im Fahrzeugbau sieben Prozent.
KI: Breiter Einsatz, aber strategisches Ziel häufig noch unklar
Die aktuelle Zusatzbefragung zeigt, dass Künstliche Intelligenz in den Beratungsunternehmen nahezu flächendeckend angekommen ist. Nur rund ein Prozent der Umfageteilnehmer setzen KI derzeit überhaupt nicht ein. Vier von zehn Beratungen haben KI bereits in Arbeits- oder Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert, weitere 40 Prozent setzen sie systematisch in ausgewählten Bereichen ein.
Dabei zeigt sich eine Lücke zwischen operativer Nutzung und strategischer Steuerung: 80 Prozent haben KI-Anwendungen gezielt ausgewählt und bereitgestellt, 71 Prozent verfügen über verbindliche Regeln für die interne Nutzung und 66 Prozent qualifizieren ihre Mitarbeitenden systematisch. Demgegenüber steuern nur 36 Prozent ihren KI-Einsatz bereits anhand klar definierter Ziele oder Prioritäten.
„Bei KI laufen derzeit fast alle los: Sie führen Tools ein, schaffen Regeln und schulen ihre Teams. Gleichzeitig ist vielen Unternehmen noch nicht eindeutig klar, welches strategische Ziel sie mit dem Einsatz erreichen wollen. Die nächste Entwicklungsstufe wird deshalb davon geprägt sein, die breite Nutzung in Richtung eines zielgerichteten und messbaren Einsatzes weiterzuentwickeln“, sagt die BDU-Präsidentin.
Der bislang deutlichste Nutzen liegt in der Produktivität: 86 Prozent erkennen einen Mehrwert durch Zeitersparnis und höhere Produktivität, 60 Prozent durch effizientere Beratungsprojekte. Wie hoch der Nutzen insgesamt ausfällt, wird dagegen zurückhaltender bewertet: Lediglich 31 Prozent der Unternehmen sehen derzeit einen eher hohen oder sehr hohen Mehrwert. Zudem wird der Erfolg bislang selten systematisch gemessen. Mehr als die Hälfte der Beratungen beurteilt ihn vor allem anhand einzelner Erfahrungen und Rückmeldungen.
KI verändert damit aktuell vor allem die Arbeitsweise der Beratungen und noch nicht die Geschäftsmodelle. Neue Preis-, Erlös- oder Geschäftsmodelle spielen trotz ihrer Wichtigkeit bislang noch eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig erwarten die Beratungen eine deutlich tiefere KI-Integration: Knapp drei Viertel gehen davon aus, dass KI in etwa zwei Jahren fest in Arbeits- und Projektprozesse integriert oder strategisch im Unternehmen verankert sein wird. Aktuell sind es 40 Prozent.
Über den BDU:
Im Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V. sind aktuell rund 600 Unternehmen mit 19.000 Beraterinnen und Beratern organisiert. Damit zählt der BDU weltweit zu den drei führenden Wirtschafts- und Berufsverbänden der Consultingwirtschaft.
Zur Systematik
Der an die Systematik des ifo-Instituts angelehnte BDU-Geschäftsklimaindex (GKI) erscheint quartalsweise und bildet die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Erwartungen der Branche an die geschäftliche Entwicklung ab.
Beratungsfelder: Organisations- und Prozessberatung, Strategieberatung, IT-Beratung, HR-Beratung, Sanierungsberatung
Teilnehmende: An der Befragung haben sich insgesamt 198 Beraterinnen und Berater beteiligt.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen BDU e.V.
Carsten Becher
Joseph-Schumpeter-Allee 29, 53227 Bonn
carsten.becher@bdu.de