Wachstum verliert an Dynamik
Der deutsche Personalberatungsmarkt schrumpfte 2025 im dritten Jahr in Folge auf 2,7 Milliarden Euro. Seit dem Hoch im Jahr 2022 summiert sich das Minus auf zehn Prozent im Gesamtmarkt und auf 13,5 Prozent im Executive Search. Das Kerngeschäft reagierte damit erneut stärker auf die Marktentwicklung als der Gesamtmarkt und zeigte sich deutlich konjunkturabhängiger.
Zugleich zeigt sich ein struktureller Trend: Das langfristige Wachstum hat spürbar an Dynamik verloren. Während die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in der Dekade von 2005 bis 2015 noch bei 6,4 Prozent lag, sank sie im Zeitraum von 2015 bis 2025 auf 4,1 Prozent. Die Branche befindet sich damit nicht nur in einer konjunkturellen Schwächephase, sondern auch in einer Phase struktureller Abschwächung.
Marktschwäche trifft kleinere Anbieter besonders stark
Die Rückgänge im Jahr 2025 waren im Markt ungleich verteilt. Vor allem kleinere Personalberatungen und Boutiquen (unter 1 Mio. Euro Jahresumsatz) standen unter erheblichem Druck, während größere Häuser vergleichsweise stabil blieben. Die Spreizung im Markt hat sich damit deutlich erhöht. Parallel dazu setzte sich die Marktbereinigung fort: Die Zahl der Unternehmen sank auf 1.975 (-200), die Zahl der Mitarbeitenden auf rund 14.225 (-325).
Die Belastung ging dabei primär von der Kundenseite aus. Unsicherheit, Budgetrestriktionen, Mandatsaufschübe und längere Entscheidungsprozesse führten dazu, dass vorhandene Personalbedarfe vielfach verzögert realisiert wurden.
Executive Search bleibt dominant
Executive Search bleibt mit Abstand das wichtigste Geschäftsfeld der Branche, hat jedoch in den vergangenen Jahren an Gewicht verloren und reagiert besonders sensibel auf gesamtwirtschaftliche Abschwünge. Der Umsatzanteil betrug im vergangenen Jahr 79 Prozent. Ergänzende Beratungsfelder wie Potenzialanalyse & Diagnostik, Leadership Advisory und Executive Coaching gewinnen zwar an Bedeutung, können die Rückgänge im Kerngeschäft jedoch nur begrenzt ausgleichen. Die wichtigste Ausnahme bildet Management Development, das sich robuster entwickelt und als einziges größeres Ergänzungsfeld ein leichtes Plus verzeichnet.
Gleichzeitig bleibt das Geschäftsmodell stabil: Honorarhöhe und Honorarstrukturen zeigen keine grundlegenden Veränderungen, und die Positionierung im oberen Gehaltssegment bleibt bestehen. Die Verteilung der Zieleinkommenssegmente bestätigt die eindeutige Marktpositionierung von Executive Search oberhalb des klassischen Fachkräfte- und Vermittlungsmarkts. Der Schwerpunkt liegt im Gesamtmarkt zwischen 100.000 und 250.000 Euro, bei den Top-25 (Executive-Search-Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 7,5 Mio. Euro) deutlich darüber. Mandate unterhalb von 100.000 Euro spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Ausblick 2026: Erholung setzt ein, bleibt aber selektiv
Für 2026 erwarten die befragten Personalberatungen eine moderate Erholung des Marktes. Der Gesamtumsatz dürfte um rund 3,0 Prozent steigen. Diese Entwicklung wird jedoch nicht alle Marktsegmente gleichermaßen erreichen. Während die Top-25 und mittelgroße Personalberatungen (1 Mio. bis 7,5 Mio. Euro Jahresumsatz) wieder mit Wachstum rechnen, bleiben kleinere Anbieter im Durchschnitt leicht im Minus.
„Die Branche wächst wieder, aber auf einer veränderten Grundlage. Damit folgt der nationale Personalberatungsmarkt den globalen Wachstumsentwicklungen. Effizienz, Spezialisierung und technologische Kompetenz entscheiden zunehmend über den Markterfolg. Wer sich nicht klar positioniert, wird es künftig deutlich schwerer haben“, erklärt Arne Adrian, Vorsitzender des Vorstands im Fachverband Personalberatung des BDU.
Strukturwandel prägt den Markt
Die kommenden Jahre werden weniger von akuten Krisensymptomen als von strukturellen Veränderungen geprägt sein. Digitale Plattformen, steigende Mandantenerwartungen und ein anhaltender Rückgang kleinerer Anbieter verändern das Wettbewerbsumfeld nachhaltig. Gleichzeitig setzt die Branche verstärkt auf Digitalisierung, Spezialisierung und Kooperationen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Auffällig ist dabei, dass die erwartete Erholung nicht mit einem personellen Aufbau einhergeht. Trotz steigender Umsätze werden sowohl die Zahl der Unternehmen als auch die Beschäftigtenzahlen weiter zurückgehen. Die Stabilisierung erfolgt damit zunächst über Effizienzsteigerungen und schlankere Strukturen.
Zur Studie
Grundlage der Studie „Facts & Figures zum Personalberatungsmarkt 2026“ ist eine Online-Befragung des BDU vom 5. bis 19. März 2026, an der 120 Personalberatungen teilgenommen haben. Die Ergebnisse für die Jahre 2026 und 2027 geben die Erwartungen der Befragten für die kommenden 12 bis 24 Monate wieder.
