Nachfolgend haben wir Studienergebnisse und BDU-Einschätzungen zu unterschiedlichen Aspekten der Berateraffäre im Öffentlichen Sektor und im Hinblick auf den aktuellen Untersuchungsausschuss, der die Auftragsvergabe im Verteidigungsministerium klären soll, zusammengestellt. Ergänzt werden die Informationen wie zum Beispiel zur Honorarhöhe oder Auftragsvergabe oder zu internationalen Vergleichen durch ausgewählte Artikel, Kommentare, TV-Berichte sowie Hörfunkbeiträge zum aktuellen Themenbezug und mit BDU-Nennung.

Marktzahlen und BDU Positionen

  • Der Öffentliche Sektor besitzt nicht selten zu wenig betriebswirtschaftliches und technolgierelevantes Know-how. Externe Unterstützung ist und bleibt notwendig.
  • Unternehmensberater beraten in der Regel die Politik nicht direkt, sondern Organisationen der Öffentlichen Hand wie Ministerien, Verwaltungen und Kommunen.
  • Der BDU lehnt eine Umgehung des Vergaberechts ab, wie zum Beispiel durch Patronage/Buddy-Systeme, Vorteilsnahme und Vorteilsgewährung.
  • Die im Untersuchungsausschuss im Raum stehenden Vorwürfe müssen sorgfältig geprüft werden.

Quelle: BDU-Analyse der Rahmenverträge des Bundes in BT-Drucksache 19/7713

  • Ein funktionierender Wettbewerb muss gewährleistet werden. Für den BDU schließt sich die direkte Beauftragung einzelner Consultingfirmen ohne Betrachtung konkurrierender Angebote weitestgehend aus.
  • Der Umsatzanteil, der auf die Kundenbranche Öffentlicher Sektor entfällt, ist international deutlich höher. In Deutschland lag der Anteil 2018 bei 9,3 Prozent, in den USA bei ca. 30 Prozent, in Großbritannien bei 25 Prozent und Spanien bei rd. 18 Prozent.
  • Die Inanspruchnahme von Unternehmensberatungsleistungen in Deutschland ist nicht massiv gestiegen. Der Anteil des Öffentlichen Sektors liegt seit Jahren stabil bei neun bis zehn Prozent.

Beratung für die Bundesministerien

In der öffentlichen Diskussion zur Berateraffäre werden unter dem Begriff „Beraterverträge“ oder „Beratung“ oft eine Vielzahl verschiedener wissensbasierter Dienstleistungen zusammengefasst, neben der Unternehmensberatung zum Beispiel auch Rechtsberatung durch externe Anwälte oder sogar Übersetzungsleistungen. Wir haben exemplarisch eine parlamentarische Befragung ausgewertet, die aufschlüsselt, welche „Beratung“ das Bundesverkehrsministerium konkret in Anspruch genommen haben.  

 

Umsatz Beratungsbranche Öffentlicher Sektor

Der Umsatzanteil in der deutschen Unternehmensberatungsbranche, der 2017 auf den Öffentlichen Sektor entfallen ist, lag bei 9,3 Prozent bzw. 2,93 Mrd. Euro absolut. 

 

Ein Großteil dieser externen Expertenunterstützung entfällt auf IT-Beratung. Im Vergleich hierzu: Die Kosten für den noch immer nicht fertiggestellten Berliner Flughafen liegen jetzt schon bei über 7 Milliarden Euro. Der immer wieder geäußerte Vorwurf, die Budgets für den Einsatz von Unternehmensberatern in Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen seien deutlich zu hoch bzw. würden seit Jahren exorbitant steigen, lässt sich mit Blick auf weitere Branchenkennzahlen nicht belegen. Denn: Erstens liegt der prozentuale Anteil der Beratungsleistungen in Deutschland, die von der Öffentlichen Hand in Anspruch genommen wird, in den vergangenen 10 Jahren konstant bei 9 bis 10 Prozent (Quelle: Vergleich der jährlichen BDU-Branchenstudien). 

 

Zweitens fällt der Anteil in vergleichbaren Wirtschaftsnationen wie z.B. den USA mit rund 30 Prozent am Branchengesamtumsatz (Quelle: AMCF), Großbritannien 25 % (Quelle: MCA), Spanien 18,6 % (Quelle: AEC), Frankreich 10 % (FEACO-Survey 2016/2017 und nationale Branchenstudien 2017) höher aus.

BDU Pressemitteilungen zur Beratung im Public Sector

Immer komplexer werdende Anforderungen – stark getrieben durch die fortschreitende Digitalisierung – verlangen von den Unternehmen in Wirtschaft und Industrie, aber auch in den Verwaltungen, schnelle und zukunftsfähige Anpassungen. Dies gilt sowohl für die technologisch-ausgerichteten Themenstellungen als auch für die Optimierung von Strukturen und Prozessen oder für eine deutlich verbesserte Kundenorientierung. Unternehmensberater beraten in der Regel die Politik nicht direkt, sondern Organisationen der Öffentlichen Hand wie Ministerien, Verwaltungen und Kommunen. Typischerweise unterstützen sie die Politik nicht bei der inhaltlichen Gesetzgebung.

Projekte und die Auftragsvergabe

Für den BDU schließt sich die direkte Beauftragung einzelner Consultingfirmen ohne Betrachtung konkurrierender Angebote weitestgehend aus. Ein funktionierender Wettbewerb muss gewährleistet sein, zumal es eine Vielzahl an Beratungsunternehmen in Deutschland gibt, die auf den Öffentlichen Sektor spezialisiert sind. So lassen sich in der Regel z.B. durch die BDU-Beraterdatenbank zu allen möglichen Beratungsthemen mehrere in Frage kommende Unternehmens- oder Personalberatungen identifizieren und in den Auswahlprozess integrieren. Insgesamt gilt: Projekte und die Auftragsvergabe in der Öffentlichen Hand erfordern besonders hohe Anforderungen an Transparenz und Dokumentation. Der BDU lehnt eine Umgehung des Vergaberechts, wie z.B. durch Patronage/Buddy-Systeme, Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung, ab.

Beratereinsatz Public Sector in der Presse

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