Klischee Unternehmensberater

Ist es ein Klischee? Montags früh um 7 Uhr mit dem Flieger zum Kunden, wenn es gut läuft, Donnerstagabend zurück und am Freitag Bürotag. Dazwischen werden PowerPoint-Folien erstellt und knallharte BWL angewendet. Es ist ein Klischee, aber eines, das natürlich auch einen Kern Wahrheit enthält.

 

 


Inhaltsverzeichnis

 

1 Was ist ein Unternehmensberater?

2 Was sind die Aufgaben eines Unternehmensberaters?

3 Auf was können Unternehmensberater spezialisiert sein?

4 Gründe für den Beraterberuf

 

5 Wie wird man Unternehmensberater?


 

 

Was ist ein Unternehmensberater

Der Beraterberuf ist jedenfalls keiner wie jeder andere. Er ist sicher einer der Berufe mit der größten Bandbreite und den vielfältigsten Konstellationen, er ist ein besonderer Beruf. Über 150.000 Menschen üben ihn in Deutschland aus. Tendenz steigend, denn Consulting ist eine Wachstumsbranche: In einer ständig komplexer, aber auch schneller werdenden Welt, ist die Notwendigkeit und das Bedürfnis nach neutralem, fachlich versiertem Rat von außen wichtiger denn je. Der Unternehmensberater ist daher Hilfesteller, Unterstützer, Mutzusprecher, aber auch Chancenergreifer, Problemlöser und Entscheider.

 

 

Was sind die Aufgaben eines Unternehmensberaters

Die Aufgaben eines Unternehmensberaters sind können sehr vielfältig sein. Chancen, Herausforderungen und Probleme für Konzerne, Unternehmen, Mittelständler, Unternehmer, Selbständige, aber auch Behörden, Kommunen oder Vereine gibt es in sehr vielen Konstellationen und Varianten. Mal geht es um das Wachstum im digitalen Umfeld, mal muss sich ein Unternehmen strategisch neu erfinden, mal den Eintritt in ein neues Markt-, Produkt- oder räumliches Umfeld prüfen. Oder Mitarbeiter von Kundenunternehmen müssen aufgeschlaut, bei Veränderungsprozessen mitgenommen und, leider, wenn ein Unternehmen auf der Kippe steht, auch mit sozialer Verantwortung entlassen werden. Viele Beratungsunternehmen haben daher ihre individuellen Schwerpunkte, bei denen sich man sich als Berater Spezialknowhow aufbauen kann. Die Ausrichtung einer Beratung kann sich beispielsweise  auf Branchen der Endkunden beziehen („wir können Energiewirtschaft“), auf deren Unternehmensbereiche („wir verbessern Ihr Marketing“), auf Regionen („Expert for market entry in the Middle East“) oder auf bestimmte Organisationsformen („Gründung in die Selbständigkeit“).

 

 

Auf was können Unternehmensberater spezialisiert sein


Es gibt viele Bereiche auf die sich Unternehmensberater spezialisieren können. Dazu gehören bspw.:

 

  • Gründungsberatung
  • Prozessberatung
  • Organisationsberatung
  • Strategieberatung
  • Nachfolgeberatung
  • Sanierungsberatung

 

Dem Beraterberuf ist gemein, dass sich der Berater schnell, aber fundiert in Themen einarbeiten muss. Er & sie müssen in der Lage sein, auch komplexe Zusammenhänge zu erkennen, scheinbare Ursachen für Probleme als solche zu enttarnen, echten Ursachen auf die Schliche zu kommen, Perspektiven und Auswege zu erkennen, zu entwickeln und ihre Realisierbarkeit zu prüfen:

 

  • finanzierbar?
  • durchsetzbar?
  • langfristig?
  • nachhaltig?

 

Dass nicht immer im allseitigen Konsens: Denn Beratungsprojekte und deren Erfolg werden von vielen Playern bestimmt. Neben dem Auftraggeber gibt es viele Stakeholder, die ggf. überzeugt werden müssen, zum Beispiel die Mitarbeiter des Kunden, sein Betriebsrat, Zulieferer, Anteilseigner, Mutterkonzerne, Tochtergesellschaften – und nicht zuletzt die Kunden des Kunden. Man  muss zuhören können und die Argumente seines Gegenübers aufnehmen, bewerten, weiterentwickeln oder auch einordnen  – dafür braucht man eine schnelle Auffassungsgabe, Kommunikationsfähigkeiten und eine gute Analysefähigkeit. Derartig komplexe Zusammenhänge muss der Berater auch strukturieren, aber auch anschaulich und etwas vereinfachen können. Jetzt kommt PowerPoint ins Spiel. Dieses Format ist stets nur die notwendige Darstellung und Komprimierung der vorherigen Überlegungen, Workshops, Berechnungen, Interviews mit Beteiligten, Datenanalysen etc., man möchte fast sagen: Gibt es keine PowerPoint, ist vorher auch nicht gearbeitet worden. Schließlich braucht der Berater Mut zu Entscheidungen. In Krisenlagen des Kunden muss oft schnell gehandelt werden, auch wenn man sich wünschte, noch tiefer in die Analyse einzusteigen.    

 

Man kann also nicht sagen, dass alle Berater von Montag 7 Uhr bis weit in die Woche unterwegs sind und in fremden Hotelbetten übernachten müssen. Natürlich gibt es zeitintensive Projekte, bei denen man auch mal 5 Tage Vollzeit unterwegs ist (und nicht immer in London oder Berlin, sondern auch in Obertupfing). Es gibt aber genauso Projekte, die vom Büro der Unternehmensberatung oder vom Home-Office erbracht werden, zunehmend auch in Teilzeit. Denn die Fähigkeiten, die ein Berater mitbringt sind natürlich auch bei deren Kunden beliebt. Und natürlich konkurrieren Kundenbranchen und Consultingwirtschaft um dieselben Köpfe. Daher bieten Beratungsunternehmen, auch – unabhängig vom sehr guten Gehalt der Unternehmensberater - viele Benefits. Nach einer Studie des BDU zwischen € 43.000 und € 145.000 pro Jahr. Es gibt aber stichhaltige Gründe, selbst bei ähnlichem Gehalt und vielleicht sogar komfortableren Reisezeiten den Beraterberuf anderen vorzuziehen. Es ist einfach der spannendere Beruf. Kein Tag ähnelt dem anderen, durch die wechselnden Kundenprojekte lernt man neue Menschen, neue Herangehensweisen, neue Methoden, neue Orte und Regionen kennen. Man erweitert seinen persönlichen Weitblick ungemein und profitiert davon auch als Mensch. Nicht zuletzt hat der Beraterberuf einen hohen sozialen Wert. Das erfolgreiche Bewältigen von Herausforderungen, Chancen, Risiken bei Kunden hilft auch deren Mitarbeitern, sichert deren Existenz oder schafft neue Jobs. 

 

 

Gründe für den Beraterberuf

Der Beraterberuf ist einer der schönsten, den es gibt: Man hilft Menschen in Unternehmen und Behörden, man gibt Perspektiven und Sinn, hilft,  den Wohlstand in Deutschland und darüber hinaus zu sichern. Und das Beste daran ist: Der Beruf steht jedem offen, er ist im wahrsten Sinne des Wortes frei, ohne eigenes Gesetz, Titelschutz oder Numerus Clausus.  

 

 

Wie wird man nun Unternehmensberater?

Die Komplexität der Tätigkeit und die Erwartung der Kunden an das Know-How des Beraters legen eine Ausbildung mit abgeschlossenem Studium nahe. Erste Praxiserfahrung lässt sich dafür bestens innerhalb einer Studentischen Unternehmensberatung sammeln. Früher noch stärker, aber heute noch sehr begehrt sind wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge: fast die Hälfte aller Consultants haben einen. 15 Prozent der Berater sind Informatiker, 11 Prozent Ingenieure. Aber es gibt insoweit auch exotische Studiengänge, wie Juristen (4 Prozent) oder Sozialwissenschaftler (3 Prozent). Bei der Frage Bachelor oder Master gibt es auch ein klares Bild: über 70 Prozent der Berater haben einen Masterabschluss. Der Anteil von Nicht-Wirtschaftswissenschaftlern wird aber in Zukunft weiter steigen: Denn bei vielen Kundenprojekten werden heterogene und vielfältige Teams benötigt. Und je nach Kunde müssen zum Beispiel auch medizinische Kenntnisse oder andere Studienhintergründe vorhanden sein. Das Studium ist das eine. Ein Berater muss – siehe Berufsbild – aber auch ein Berater-Gen mitbringen, also strukturiertes Denken, eine gute Allgemeinbildung, Empathie oder die Fähigkeit zu moderieren. Mit Beginn der Beratertätigkeit wird man dann sowieso in sein Gebiet eingearbeitet und laufend weitergebildet. 

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