Der Öffentliche Sektor besitzt nicht selten zu wenig betriebswirtschaftliches und technologierelevantes Know-how. Externe Unterstützung ist und bleibt daher für Bund, Länder, Kommunen und öffentliche Unternehmen mehr als notwendig. Dieses gilt gerade jetzt in Zeiten der Pandemie. Bürgerdienste müssen digitalisiert werden, Prozesse effizient gestaltet und Verfahren bürgernah ausgestaltet werden. Wer, wenn nicht externe Experten mit dem Knowhow aus vielen Projekten und unvoreingenommen, neutralen Blick kann hier unterstützen? Der Umsatzanteil in der deutschen Unternehmensberatungsbranche, der 2019 auf den Öffentlichen Sektor entfallen ist, lag bei 9,4 Prozent bzw. 3,35 Mrd. Euro absolut. (siehe BDU Facts&Figures 2020) Ein Großteil dieser externen Expertenunterstützung entfällt auf IT-Beratung. Im Vergleich hierzu: Die Kosten für den gerade fertiggestellten Berliner Flughafen liegen bei über 7 Milliarden Euro.

 

Die Öffentlichkeit diskutiert die Mandatierung von Beratungsunternehmen gelegentlich kritisch. Zurecht, da immerhin Steuermittel eingesetzt werden. Und das muss verantwortungsvoll geschehen.

 

 

Umsatzentwicklung Beratung Public Sector

In diesem Zusammenhang stellen sich verschiedene Fragen. Etwa die der Umsatzentwicklung der Beratung im Bereich Public. Oft wird behauptet, die öffentliche Verwaltung nehme mehr Beratung in Anspruch als der private Sektor. Dem ist nicht so: Die Inanspruchnahme von Unternehmensberatungsleistungen in Deutschland ist nicht massiv gestiegen. Der Anteil des Öffentlichen Sektors liegt seit Jahren stabil bei neun bis zehn Prozent bezogen auf den Gesamtbranchenumsatz. Details können aus der folgenden Grafik entnommen werden.

   

Und ein wissenswerter Fakt am Rande: Der Umsatzanteil, der auf die Kundenbranche Öffentlicher Sektor entfällt, ist international deutlich höher. In Deutschland lag der Anteil bei 9,3 Prozent, in den USA bei ca. 30 Prozent, in Großbritannien bei 22 Prozent und Spanien bei rd. 17,6 Prozent. (siehe aktuelle Studie der FEACO 2018/19)

 

 

Auswertung "Beraterverträge"

Es kommt hinzu, dass in der öffentlichen Diskussion auch Leistungen als "Beraterverträge" eingeordnet werden, die gar keine Unternehmensberatung sind. Insbesondere wenn es um die Inanspruchnahme von Beratung bei Bundesministerien geht, fehlt es an der nötigen Differenzierung. Die folgenden Grafiken resultieren aus Auswertungen von "Beraterverträgen" des Bundesverkehrsministeriums aus den Jahren 2013 bis 2019. Sie zeigen anschaulich, dass auch Rechtsberatung oder sogar Übersetzungsleistungen erfasst sind.

Dasselbe gilt für die die Rahmenverträgen mit "Beratern" des Bundes insgesamt. Dort zeigt sich, dass lediglich 18 Prozent klassische Unternehmensberatung an den Ausgaben ausmachen, weitere 22 Prozent IT-Beratung.

 

 

 

 

Einflussnahme von Unternehmensberatungen

Gelegentlich heißt es auch, Unternehmensberater würden Politikberatung machen, gerade dann, wenn sie Bundesministerien beraten. Auch das lässt sich widerlegen. Wir haben hierzu einschlägige Befragungen der Opposition im Bundesstag und die Antworten der Bundesregierung zur Entstehung von 17 Gesetzentwürfen mit über 200 Ministeriumsgesprächen ausgewertet. Vor allem: Wer hat daran mitgewirkt?

 

Das Ergebnis: Wirtschafts- und Berufsverbände machen mit 59 Prozent den größten Anteil an Gesprächspartnern der Regierung aus. Der Anteil an Unternehmensberatungen liegt bei einem Anteil von 1 Prozent. Auch hieraus lässt sich ein Fazit auf die Einflussnahme von Unternehmensberatungen in Relation zu weiteren Gesprächspartnern ziehen: es gibt so gut wie keinen.

Ein ähnliches Ergebnis zeigt eine Auswertung der Gesprächspartner der Bundesregierung zur Rüstungspolitik. Demnach gab es 2018 und im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 73 Gespräche der Regierung mit Externen. Mit einem Anteil von 78%, wurden die meisten Gespräche mit Rüstungsunternehmen geführt. Verbände sind mit einem Anteil von 17% demnach am zweithäufigsten beteiligt. Beratungsunternehmen haben an keinem dieser Gespräche teilgenommen. Auch hier: Leitet man hieraus den Einfluss von Beratungsunternehmen ab, kommt man zu dem Befund: Keiner!

Es gibt letztlich auch kein informelles Netzwerk zwischen Politik und Beratung. Das zeigt sich anhand einer Auswertung der aktuellen Berufe früherer Bundesminister und parl. Staatssekretäre, wenn sie Gesprächspartner der Bundesregierung im Vorfeld eines Gesetzentwurfs waren. Die Analyse zeigt, dass der Kontakt zu Unternehmen mit einem Anteil von 60% am größten ist. An zweiter Stelle sind Verbände mit 32% zu finden. Berater - und zugleich frühere Politiker - machen mit 6 Kontakten lediglich einen Anteil von 2% aus.

 

Bei Auftragsvergabe das breite Know-how im Consulting nutzen

Was aber immer gilt: Auftraggeber aus dem Bereich Public müssen professionell und vergaberechtlich konform Beratungsleistungen ausschreiben und vergeben. Ein funktionierender Wettbewerb muss stets gewährleistet werden. Für den BDU schließt sich dabei die direkte Beauftragung einzelner Consultingfirmen ohne Betrachtung konkurrierender Angebote weitestgehend aus, zumal es eine Vielzahl an Beratungsunternehmen in Deutschland gibt, die auf den Öffentlichen Sektor spezialisiert sind. So lassen sich in der Regel z.B. durch die BDU-Beraterdatenbank zu allen möglichen Beratungsthemen mehrere in Frage kommende Unternehmens- oder Personalberatungen identifizieren und in den Auswahlprozess integrieren. Insgesamt gilt: Projekte und die Auftragsvergabe in der Öffentlichen Hand erfordern besonders hohe Anforderungen an Transparenz und Dokumentation.

Ihr Ansprechpartner in der BDU-Geschäftsstelle

Kai Haake steht Ihnen gerne für Fragen zur Verfügung.

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