Crowdfunding: Startkapital ohne Banken

15.01.2018 | verfasst von Ulrich Bendel | Geschäftsführender Gesellschafter | Mühl Christ Partner Management Consulting GmbH
Crowdfunding: Startkapital ohne Banken

Was haben ein Mobilitäts-Startup aus China (NIU Elektroroller), ein Berliner Kaffee-Visionär (Bonaverde) und ein deutsches Traditionsunternehmen (Voelkel Natursäfte) gemeinsam? Eine Finanzierung über die Crowd! Die Motive und die gewählten Crowdfinanzierungsmodelle unterscheiden sich, aber alle drei haben die Vorteile des Schwarms erkannt.


Beim Crowdfunding kommt das Startkapital nicht von Banken oder einzelnen Großinvestoren, sondern von zahlreichen kleinen Investoren, häufig Privatpersonen. Diese auch als „Schwarmfinanzierung“ bezeichnete Methode wird auf verschiedenen spezialisierten Plattformen angeboten.

 Crowdfunding ermöglicht es jedem Internetnutzer, Ideen und Konzepte für neue Produkte oder Unternehmen via Text, Foto und Video kurz vorzustellen. Die Betrachter können dann über die Plattform ihre Unterstützung in individuell festgelegter Höhe leisten – und erhalten im Gegenzug entweder ein Vorkaufsrecht auf entstehende Produkte, Zinsen, einen Anteil an potenziellen Firmengewinnen oder auch die namentliche Erwähnung als Förderer und Sponsor eines Kulturprojekts.

Seit 2011 in Deutschland – bekannt seit „Stromberg“

Das Jahr 2011 gilt in Deutschland als Beginn des professionellen Crowdfunding, u.a. auch deshalb, da in diesem Jahr der Film „Stromberg“ über Crowdfunding finanziert wurde, eines der bekanntesten deutschen Crowdfunding-Projekte.  Innerhalb einer Woche konnten damals bei Klein- und Kleinstinvestoren über eine Million Euro eingesammelt werden. Inzwischen schießen die Plattformen wie Pilze aus dem Boden – mit teilweise ganz unterschiedlichen Ideen, Konzepten und Leistungen.

 

So funktioniert es

Es gibt Formen des Crowdfunding rein auf Spendenbasis mit und ohne Dankeschön. Wenn die Geldgeber Zinsen oder einen Anteil vom Gewinn bekommen, spricht man auch von Crowdinvesting.  

 

  • Beim Lending based Crowdfunding verleihen private Geldgeber ihr Kapital über die entsprechende Plattform an den Projektinitiator oder Firmengründer – und erhalten ihren Mikrokredit innerhalb einer festgesetzten Zeit mit Zinsen wieder zurück. Man hat keine Anteile am Unternehmen und keine Mitspracherechte. Bei einer Pleite bekommt man, da es sich um ein Nachrangdarlehen handelt, sein Geld als Letzter zurück. 

 

  • Beim Equity based Crowdfunding werden  die Geldgeber zu klassischen Teilhabern. Sie sind durch ihre Unterstützung und in Abhängigkeit von der Höhe ihres finanziellen Zuschusses zum Projekt oder Startup am Substanzwert des entstehenden Unternehmens und am erwirtschafteten Gewinn beteiligt. Im Falle des Scheiterns des Projekts oder Startups verlieren die Geldgeber ihre eingelegte Summe jedoch ohne Gegenleistung.

 

Ist nach Ablauf der Einsammel-Frist (i.d.R. 40 Tage) die vorgesehene Mindestsumme nicht erreicht, passiert in der Regel nichts: Es werden keine Gelder von den Investoren abgebucht und der Kapitalsuchende erhält keine Finanzierung.

 

Vorbereitung ist für den Anbieter fast alles

Wer viele Unterstützer haben möchte, muss einiges dafür im Vorfeld tun. Die Vorstellung des Projekts auf einer Plattform ist ein guter Markttest. Will die Crowd das Produkt überhaupt? 

Zunächst muss man das passende Crowdfunding-Modell und die richtige Plattform dazu finden. Bei den meisten Plattformen gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip. Die Aktion findet nicht statt, wenn die vorher festlegte Zielsumme nicht erreicht wird. Also muss die Summe realistisch gewählt werden, um die Erfolgschancen zu erhöhen. Andererseits muss die Summe auch ausreichend hoch kalkuliert sein. Es ist üblich, in groben Kostenblöcken offenzulegen, wofür das Geld benötigt wird. 

 

Das passende Reward

Eine große Rolle spielt die Auswahl der passenden Rewards. Bei vielen Projekten ist das Crowdfunding eine Art Vorverkauf, bei dem das Projektergebnis (z.B. bei einem Film eine DVD) als Gegenleistung für die Unterstützung versprochen wird. Bei Projekten ohne „handfestes“ Ergebnis heißt es kreativ werden. Gut sind Gegenleistungen, die in engem Zusammenhang mit dem Projekt und der dazugehörigen Story stehen. 

Eine packende Story

Diese Story muss einzigartig und packend sein. Hinter jeder Idee stehen Menschen. Die will die Crowd kennenlernen. Das Video dazu muss entsprechend professionell sein. Gerade hier kann man von anderen, abgeschlossenen Projekten lernen. Man sollte auch ein paar aktuell laufende Projekte beobachten. 

 

Ein starker Auftakt

Wichtig ist ein starker Auftakt des Fundings, denn das symbolisiert potenziellen Unterstützern, dass das Angebot interessant sein muss, denn es beteiligen sich ja schon viele andere Leute. Entscheidend ist daher zunächst, das eigene Netzwerk zu aktivieren. Erfolgreiche Kampagnen sammeln zwei Fünftel in der ersten Woche ein. 

Am besten bindet man die Crowd ein und lässt sie am Projekt teilnehmen. Ein direkter und offener Dialog mit den Unterstützern gehört dazu. Auf Rückfragen und Kommentare unbedingt eingehen! 

 

Was tun bei Misserfolg?

Wurde die angestrebte Mindestsumme für ein Projekt oder eine Startup-Idee nicht erreicht, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Konzept in die Schublade wandern sollte. Vielmehr lässt sich – auch in der Kommunikation mit denjenigen, die ihre Unterstützung für die Idee signalisiert hatten – das Konzept überarbeiten und neu aufstellen. Vor allem sollte eruiert werden, ob die fehlende Unterstützung aufgrund einer nicht überzeugenden Idee zustande kam – oder aufgrund einer nicht überzeugenden Präsentation der Idee. Ähnlich wie bei der klassischen Investorensuche so gilt auch beim Crowdfunding: Niemals aufgeben, wenn man wirklich an einen Ansatz glaubt.

 

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