Digitalisierung als Treiber für mehr Grünstrom aus der Region

22.08.2017 | verfasst von Jörg Georg | Inhaber | JHG Beratung
Digitalisierung als Treiber für mehr Grünstrom aus der Region

Neben konkreten Kundenbedürfnissen entscheidet die Höhe der Transaktionskosten oft darüber, welche Produkte an Kunden verkauft werden. Dies gilt insbesondere für Regionale Grünstromprodukte, deren Betrieb im bestehenden energiewirtschaftlichen Rechtsrahmen eine hohe Komplexität aufweisen. Neue Digitale Möglichkeiten wie Cockpits, virtuelle Agenten oder digitale Kontensysteme können einen Beitrag leisten, lokale Grünstromprodukte im Rahmen systematischer Betriebsmodelle künftig effizienter abzuwickeln und für den Kunden greifbarer zu machen.


Schon Konfuzius wusste, dass ein einheitliches Begriffsverständnis die Grundlage für eine konstruktive Auseinandersetzung mit einem Thema ist: „Wenn die Worte nicht übereinstimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte, wenn das was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht“. Insofern wird angesichts der immer noch fehlenden allgemeingültigen Definitionen von Grünstrom (gilt im Übrigen auch für „Ökostrom“) im Folgenden vereinfacht von Strom gesprochen, der aus Erneuerbarer Produktion stammt, nachweislich in ein Stromnetz eingespeist wurde und dafür keine EEG-Förderung bekommt. Im Gegensatz dazu ist Graustrom Strom, der nachweislich eben nicht aus Erneuerbaren Produktionsanlagen stammt. In einigen Ländern (u.a. in der Schweiz) wird die Herkunft des Stroms bereits kurz nach der Geburt des Stroms bei der Netzeinspeisung durch sogenannte Herkunftsnachweise (HKNs) dokumentiert – unabhängig davon, ob die einspeisenden Produktionsanlagen gefördert werden oder nicht. So lassen sich sämtliche Graustrom- und Grünstrommengen (auch geförderte und nicht geförderte Mengen!) frühzeitig voneinander trennen und deren Lebensweg über ein Herkunftsnachweisregister bilanziell verfolgen, was auch bei der jährlichen Stromkennzeichnung durchaus Vorteile bringt. In Deutschland ist die Situation differenzierter. Im aktuellen Rechtsrahmen können lediglich für eingespeisten Strom aus Erneuerbaren Energien - aus nicht geförderten Anlagen (!) – Herkunftsnachweise ausgestellt werden. Ein großer Teil des aus Erneuerbaren Energien produzierten Stroms verliert somit die „verwertbare“ Grünstromqualität. So wird sichergestellt, das bereits geförderter Strom nicht nochmals vermarket wird.


Stadt- und Gemeindewerke sowie Bürgergenossenschaften, die sich mit der Einführung von Regionalen (Grün-)stromprodukte beschäftigen, sehen sich mit unterschiedlichen Systemen konfrontiert, in denen die Betriebsmodelle wie im Fall der Direktvermarktung ohne Förderung nur mit einem hohen Aufwand zu fahren sind. Wesentliche Erfolgsfaktoren der Betriebsmodelle sind Automatismen, geringe Prozesskosten sowie positive Kundenerlebnisse im Customer Journey. Ungeachtet der Entscheidung für ein bestimmtes System, können die zentralen Betriebsmodelle Operations, Beschaffung sowie Vertrieb und Services durch neue digitale Instrumente gezielt unterstützt werden. Somit können der Produktbetrieb und das Produktmanagement vereinfacht werden. Dabei ist es wichtig, stets die Motive und Erwartungen der Kunden im Auge zu haben, um eine langfristige Akzeptanz des jeweiligen Angebotes zu gewährleisten, was angesichts der z.T. langfristigen Investitionen in Erzeugungsanlagen und IT-Systemen notwendig ist.



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