Mit Methode wachsen

09.06.2015 | verfasst von Prof. Dr. Guido Quelle | Geschäftsführender Gesellschafter | Mandat Managemenberatung GmbH

Wenn Klarheit über das „WAS“, also die zu erzielenden Resultate einer Wachstumsinitiative, herrscht, bedarf es zwingend einer Methode, um die Initiative wirkungsvoll zu unterstützen. Genauer: Erst dann, wenn diese Klarheit herrscht, darf die Methodik-Diskussion beginnen. Aber dann ist sie auch wirklich an der Reihe, denn gute Methoden haben den Vorteil, dass Ergebnisse nachvollziehbar und transparent werden, dass Lerneffekte genutzt werden können und dass vor allem Zeit gespart wird, weil das Rad nicht an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten immer wieder neu erfunden wird.


Hier sind fünf Beispiele für Methoden, die im Wachstumsprozess wirkungsvoll eingesetzt werden können und sollen, unabhängig von dem Fokus der jeweiligen Wachstumsinitiative. Ich werde im folgenden mitunter auch auf Methoden referenzieren, die wir bei Mandat entwickelt haben.

 

1. Strategieentwicklung

Nutzen Sie eine einheitliche Methodik, um Ihre Unternehmens- oder Marktsegment-Strategie zu entwickeln. Es gibt zahlreiche Methoden, die sich eignen, einigen Sie sich auf eine. Achten Sie dabei darauf, dass es eine einfache Methode ist, idealerweise eine, die es erlaubt, auf höchster Aggregationsstufe eine gesamte Marktsegment-Strategie auf einer Seite darzustellen. Bei Mandat haben wir zu diesem Zweck eine Methodik entwickelt und im Laufe der Jahre immer wieder verfeinert, die wir „Mandat Strategy Framework“ nennen, im Detail beschrieben unter anderem in einem der Bände aus der von mir herausgegebenen wissenschaftlichen Buchreihe „Mandat Campus“. Es ist wichtig, dass das Strategie-Team sich auf eine einheitliche Methodik verständigt, die alle Fragen, die im Strategieentwicklungsprozess auftreten, beantwortet. Mit Verlaub: Die BCG-Matrix reicht dazu nicht.

 

2. Projektführung

Eine im Unternehmen – oder zumindest bei den relevanten Beteiligten – verstandene und verinnerlichte Methodik für die Führung komplexer Wachstumsprojekte ist eine enorme Erleichterung. Dabei ist die Nuance zu beachten, dass ich bewusst nicht von „Projektmanagement“ spreche, denn dies ist oft zu kurz gesprungen. Vor allem spreche ich nicht von Projektmanagement-Software, denn weder ist jemand, der Microsoft-Project® auf dem Rechner hat, automatisch ein Projektleiter, noch ist es mit dem „Management“ von Projekten getan. Es geht vielmehr um Führung. Auch hier haben wir bei Mandat im Laufe der letzten 20 Jahre eine Methodik permanent weiterentwickelt, die gänzlich ohne Software auskommt und der Tatsache Rechnung trägt, dass Wachstumsprojekte oft durch eine hohe Unsicherheit und Ambiguität gekennzeichnet sind und sich mithin nicht in ein festes Schema pressen lassen. Dies ist etwas, das die – Verzeihung – hardcore Projektmanagement-Fans oft überhaupt nicht verstehen. Ein gute Projektführungsmethodik legt den Fokus auf „Führung“.

 

3. Visualisierung

Gerade in der Visualisierung gibt es beliebig viele Spielarten. Wir favorisieren insbesondere bei der Visualisierung von zahlenbezogenen Sachverhalten das „Leaning Brick Modell“. Entsprechende Recherchen führen über Suchmaschinen sofort zum Erfolg. Das Modell eignet sich hervorragend zur Kommunikation von monetären Zusammenhängen. Im Übrigen mag ich auf Gene Zelaznys Buch „Wie aus Zahlen Bilder werden“ verweisen; ein meiner Auffassung zufolge unschlagbares Werk.

Aber auch nicht monetäre Zusammenhänge gilt es zu visualisieren. Klassiker, wie zwei-Achsen-Charts, drei-Kreise-Diagramme, etc. helfen hier enorm. Ermuntern Sie Ihre Mannschaft, Dinge in Abbildungen auszudrücken. Dies bietet drei Vorteile: Erstens stellen Sie sicher, dass die Verfasser sich auf diese Weise mit einem Sachverhalt hinreichend intensiv auseinandersetzen, zweitens vermeiden Sie auf diese Weise Powerpoint-Schlachten mit widerlich langen Texten und Sie erhöhen auf diese Weise schlagartig das Verständnis auf der Empfängerseite. Wenn das kein Gewinn ist.

 

4. Kommunikation

Wählen Sie eine geeignete Kommunikationsmethodik während der Durchführung Ihrer Wachstumsinitiative. Unserem Verständnis zufolge gehört dies „eigentlich“ zur Projektführungs-Methodik, aber da die Kommunikation immer wieder unter den Tisch fällt, erwähne ich es hier separat. Informieren Sie die einzelnen Stakeholder nach einem festen Muster, versorgen Sie sie mit den für sie relevanten Informationen. Überlassen Sie die Kommunikation nicht dem Zufall. Eine Tageszeitung erscheint täglich, ein Monatsmagazin erscheint verlässlich monatlich. Ihre Kommunikation sollte ebenfalls verlässlich und in der stets gleichen Struktur erfolgen. Dazu gehören möglicherweise Informationsboards in der Kantine, Informationen an den Auftraggeber, den Betriebsrat, die Mitarbeiter, das Projektteam, alles zu seiner Zeit. Behalten Sie auf diese Weise das Steuer in der Hand. Eine Kommunikationsmatrix, wie wir sie seitens Mandat bei unseren Klienten einsetzen, wirkt Wunder.

 

5. Prozessmethodik

In nahezu jedem Wachstumsprojekt kommt es früher oder später zu der Diskussion über Prozesse, also geschäftliche Abläufe, über Schnittstellen und über Verantwortlichkeiten. Wenden Sie eine Methodik zur Dokumentation und zur Gestaltung solcher Abläufe an, die es Ihnen erlaubt, buchstäblich mit Papier und Bleistift zu Werke zu gehen. Lassen Sie sich nicht von komplexen „Geschäftsprozessmodellierungssoftwaresystemen“ blenden. So lang wie das vorstehende Wort ist auch die Zeit, die Sie benötigen, um solche Software zum Laufen zu bringen, geschweige denn, sie zu beherrschen. Setzen Sie auf Einfachheit, auf Klarheit. Setzen Sie auf den Dialog über die Inhalte, nicht auf das strikte Einhalten des Formats. Die Prozessmethodik, die wir in unseren Projekten einsetzen, hat sich vielfach bewährt, bereits viele Millionen Euro bei unseren Klienten gespart, ganz zu schweigen von den vielen Millionen Euro, die durch eine schnell, intelligente und vor allem abgestimmte Organisation der Prozesse-Landschaft zusätzlich bei unseren Klienten am Markt gewonnen wurden.

 

Was nun?

Machen Sie sich ein Bild davon, was Sie erreichen wollen. Wählen Sie dann die treffende Methodik. Lassen Sie sich nicht durch Etiketten blenden: Six-Sigma, Qualitätsmanagement, Stage Gate, Balanced Scorecard, Business Process Reengineering, setzen Sie die Liste fort, sind oftmals überkomplex, sperrig und verweigern dem Betrachter auf diese Weise vor allem eines: Den Blick auf das Wachstumsziel. Wenn Sie wachsen wollen, brauchen Sie eine Methodik, die Ihnen das Leben erleichtert und keine Methodik, die der Methodik willen existiert.

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