Die aktuelle Studenten-Generation: Hohe Ansprüche an Beruf und Familie - Chance für den Mittelstand

13.09.2016 | verfasst von Regine Domke, Dr. Wolfgang Gawlitta | Berater | dr. gawlitta(BDU)

Die Ansprüche der aktuellen Studentengeneration haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert: der zukünftige Beruf genießt eine große Bedeutung. Es wird nicht nur eine interessante Tätigkeit erwartet, sondern persönliche Weiterentwicklung und Wertschätzung sowie konstruktive Teamarbeit, um Wissen zu teilen und um bessere Ergebnisse zu erzielen. Schnelle Entscheidungswege werden ebenfalls als Auswahlkriterien hoch bewertet. Die Ansprüche an Familie bzw. Privatleben werden allerdings gleichrangig beurteilt. Das bedeutet, dass zukünftige Arbeitgeber nur dann in Frage kommen, wenn sie dieser Generation bereits zu Berufsbeginn klare Perspektiven bieten, die Beruf und Privatleben angemessen und sinnvoll verknüpfen.


Die Autoren nehmen seit einigen Jahren Lehraufträge in den Fachbereichen, Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie Wirtschaftswissenschaften an der FH Düsseldorf (R. Domke) und Wirtschaftspsychologie an der FH Bonn-Rhein-Sieg (W. Gawlitta) wahr und sehen folgende Tendenzen:

Ansprüche an den Beruf und an die eigene, "berufliche" Person:
- interessante, sinnvolle Tätigkeit
- gegenseitige, persönliche Wertschätzung zwischen Kollegen und Vorgesetzten
- Aufstiegs- und Karrierechancen in überschaubaren Zeitspannen
- Internationalität
- Fleiß, Ehrgeiz und Engagement im Beruf

Ansprüche an die "private" Person:
- Wohnortwechsel nur unter der Voraussetzung, dass der Partner keine beruflichen Einbußen erleidet
- gleiche Gewichtung der Wünsche und des Zeiteinsatzes für den Partner, die Familie und für private Interessen
- in besonderen Situationen (Erkrankung des Partners, des Kindes, der Eltern) wird die private Situation eindeutig vor dem Beruf priorisiert.

Mit den o.g. beruflichen und persönlichen Ansprüchen sind die Konzerne bei den jungen Studenten bislang mehr im Blick als mittelständische Unternehmen. Den Konzernen wird oftmals eher zugetraut, die Ansprüche und Wünsche in Einklang zu bringen. Hier ist ganz offensichtlich eine große Notwendigkeit für Mittelständler gegeben, ihre Möglichkeiten aktiver zu vermarkten, um in den Blickpunkt des Nachwuchses zu gelangen. Denn sehr häufig können mittelständische Firmen die Ansprüche der jungen Menschen weitaus besser erfüllen und individueller auf deren Lebenssituationen eingehen, als es in Großunternehmen möglich ist.


Fazit:
Insbesondere mittelständische Firmen sollten deshalb deutlich intensivere und langfristige Bemühungen unternehmen, sich selber als interessante Arbeitgeber ("employer branding") auch für junge MitarbeiterInnen zu positionieren. Eine gezielte Ansprache der jungen Leute sollte bereits in den FHs und Unis beginnen, um eine realistische Chance gegen die Konzerne im Wettbewerb um die besten Nachwuchsführungskräfte und Spezialisten zu besitzen.

 

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