Eignungsdiagnostik - Marketing vs. Wissenschaft

verfasst von Thomas Schmitt | Managing Partner | insight – International Management Consultants

Und welche Farbe haben Sie? Sind sie eher der blaue Typ oder doch eher der Rote? Oder beschreiben sie sich eher als ESTJ oder INTP? Oder gehören sie eher zu der Gruppe, über die ein detailliertes Reiss Profil erstellt wurde?


Eignungsdiagnostische Tools und Maßnahmen haben in 2020 nochmals einen echten Boom und Schub erlebt. In Zeiten von Corona haben sich auch Unternehmen mit diesem Thema beschäftigt, die sich bis dato auf ihr Bauchgefühl verlassen haben und solchen Tools eher kritisch gegenüberstanden. Aber das Bauchgefühl ist ein stets schwieriger Indikator, vor allem dann, wenn man seinem Gegenüber nur virtuell begegnet. Was haben nun aber all die oben genannten Tests (und viele weitere) gemeinsam? Genau: Deren Aussagekraft ist ungefähr so gut / schlecht wie das gute alte Bauchgefühl. Zahlreiche dieser Testanbieter machen ein hervorragendes Marketing, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Tests den Anforderungen der DIN Norm für berufsbezogene Eignungsdiagnostik (DIN 334301) nicht entsprechen. Ich selbst halte eine eignungsdiagnostische Absicherung von Einstellungsentscheidungen für ratsam und sinnvoll aber ich denke auch, dass viele der beliebten und weit verbreiteten Tests hier keinen wirklichen Mehrwert liefern und auch die Erfolgschancen einer Personalentscheidung nicht erhöhen. Sie geben viel Geld aus, haben danach einen hübschen und bunten Report aber sind im Kern genau so schlau wie vor dem Test auch. Stattdessen liefern diese Tests ein falsches Gefühl der Sicherheit. Ein Gefühl, dass wissenschaftlichen Ansprüchen und Anforderungen nur in den seltensten Fällen wirklich gerecht wird. 

 

Nach unserer Wahrnehmung und Einschätzung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) erscheint uns entweder das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP) oder ein klassischer Intelligenztest der deutlich zielführendere Weg zu sein. Die Ergebnisse mögen vielleicht nicht ganz so bunt, flippig oder fancy sein, aber dafür ist die Aussagekraft der Ergebnisse deutlich höher. Und darum sollte es bei der Personalauswahl doch eigentlich gehen, oder? 

 

 

 

1siehe hierzu auch https://www.dincertco.de/din-certco/de/main-navigation/products-and-services/certification-of-services/berufsbezogene-eignungsbeurteilungen-din-geprüft/index.html bzw. https://de.wikipedia.org/wiki/DIN_33430

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