Strategieentwicklung 4.0 und die notwendige Transformation der Beraterbranche

14.08.2017 | verfasst von Marcel Nickler | Chief Global Network Officer | BearingPoint

Digitalisierung ist ein Megatrend und zugleich eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Im Zeitalter der vernetzten Technologien können sich Kunden zum Beispiel digital beraten lassen. Online-Foren und Crowdsourcing-Plattformen vermitteln einen unkomplizierten Zugriff zu Wissen und Experten. Kunden sind unabhängiger und selbstbewusster geworden.


Big Data-Analysen liefern schnelle Ergebnisse und Entwicklungspotenziale. Einige Aufgabenfelder der Berater werden zum Teil von intelligenten Software-Lösungen übernommen, und der menschliche Einsatz wird durch digitale Systeme und Algorithmen abgelöst. Kunden verlangen auf sie zugeschnittene Beratungsleistungen und nachhaltige Lösungen innerhalb ihrer komplexen Umgebung. Mit wachsender Komplexität sind vernetzte, branchenübergreifende Strategien entscheidend. Hier ist neben fachspezifischem Wissen vor allem tiefes Kundenverständnis, individuelle Anpassungsgabe und ganzheitliches Denken gefordert. 

 

Dabei kommt es zu einer engen Verknüpfung von Strategie und Umsetzung. Diese folgt der Logik der agilen Vorgehensmethodik. Es ist vor allem die Strategieentwicklung, welche die Beraternachfrage in der digitalen Welt treibt. Die Parallelisierung von Strategieentwicklung führt zu einem erhöhten Veränderungstempo. Strategien werden immer wieder überprüft und zum Teil fundamental angepasst. Hier entsteht ein grosser Markt für Berater. Die Kultur, aus Fehlern zu lernen, wird in der Strategieberatung hoffähig.

 

Zugleich gibt die Digitalisierung Beratern Werkzeuge an die Hand, durch die sie komplexe Zusammenhänge definieren und daraus schnell funktions-, organisations- und branchenübergreifende Ansätze entwickeln und einsetzen können. IT-Lösungen und Robo-Advisor haben somit eine eher unterstützende Rolle und holistische Einsätze bleiben gefragt. Nur der Mensch ist in der Lage, über den Tellerrand zu blicken und spezifische kontextgebundene Lösungen zu entwickeln. Nur er kann eine Beziehung mit dem Kunden aufbauen sowie dessen Ansprüche und Bedürfnisse in ihrer Breite und Tiefe verstehen. Entrepreneurship und Kreativität sind dabei von zentraler Bedeutung. Im heutigen wettbewerbsintensiven Markt ist der unternehmerische und innovative Geist der Berater gefragter denn je.

 

Eine weitere Herausforderung für die Unternehmensberatung ist die Demokratisierung des Wissens, das in der digitalen Ära zum Allgemeingut wird. Kunden haben Zugriff auf eine Vielzahl von Datenbanken und Analysen. Sie sind „smarter“ geworden und machen sich das frei verfügbare Know-how zunutze. Bewaffnet mit mehr Wissen neigen immer mehr Kunden dazu, Beratungsdienste spezifisch zu buchen und verlassen sich weniger auf Anbieter von Gesamtlösungen. Durch die Demokratisierung des Wissens und den besseren Daten-Zugang verlieren traditionelle Beratungsfirmen teilweise an Wertschöpfung und Differenzierung. 

 

Der neue Beratertyp kann sowohl strategisch, analytisch als auch kreativ denken, und er kann digitale Werkzeuge bedienen, die es ihm erlauben, kundenspezifische, komplexe und branchenübergreifende Lösungen zu entwickeln und diese schnell einzusetzen. Der neue Berater wird zunehmend zum Geschäftsmodell-Transformator und Technologieexperten. Entscheidend ist dabei seine Vernetzung und Arbeit in einem Ökosystem. Nur so kann er Brücken zwischen verschiedenen Branchen, Industrien und Bereichen schlagen.

 

(erstmals erschienen im Juni 2017 als Gastbeitrag zur ASCO-Marktstudie)

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