Bedeutet Change Management automatisch "Change the Management"?

26.08.2015 | verfasst von Fachverband Change Management | Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU e.V.

In der Presse wird zurzeit auf Basis aktueller Ereignisse über die Frage diskutiert, ob es in signifikanten Veränderungssituationen, d. h. bei Musterwechseln in Organisationen, zwingend notwendig ist, das bisherige Management auszutauschen. Der BDU Fachverband Change Management nimmt hierzu Stellung.


Frage: Welche Haltung bzw. welches Handeln erleben Sie bei Ihren Klienten in signifikanten Veränderungssituationen? Wird beispielsweise in Transformationsprozessen das Management systematisch ausgetauscht?

Antwort: Die Firmen reagieren in dieser Frage unterschiedlich. Jedoch beobachten wir häufig, dass personal gedacht wird: Eine Person – z. B. der Geschäftsführer oder Vorstand – ist „schuld daran, dass alles so gekommen ist“. Deshalb wird diese Person durch eine andere ersetzt: „Wenn die / der Neue die Dinge in die Hand nimmt, werden wir unsere Ziele schon erreichen!“.

 

Frage: Was beobachten Sie bei Unternehmen, die zum Zwecke der Veränderung große Teile des Managements austauschen, in Bezug auf den Erfolg dieser Maßnahme?

Antwort: Oft verpufft die Wirkung des neuen Managements schnell und die bereits bekannten Probleme tauchen wieder auf. Der Misserfolg ist quasi vorprogrammiert, wenn der Glaubenssatz vorherrscht, dass mit dem Auswechseln des Managements die Veränderung schon gestaltet und bewältigt ist.

 

Frage: Wie ist Ihre persönliche Haltung zu der bei Unternehmen häufig anzutreffenden Position „Austauschen ist ein zentraler Bestandteil der Veränderung“?

Antwort: An den Erfolg der Strategie "Austauschen des Managements ist ein zentraler Bestandteil der Veränderung" glauben wir nicht. In einigen Fällen ist der gezielte Austausch von Führungskräften sicher notwendig und zielführend. Entscheidend für die wirksame und nützliche Entwicklung der Organisation sind aber in der Regel die entsprechenden Lernprozesse der gesamten Führungsmannschaft – z. B. bezüglich des Führungshandelns.

 

Frage: Sehen Sie Alternativen zum Austausch des Managements - falls ja, welche? Welche Vorgehensweisen haben sich Ihrer Erfahrung nach bewährt?

Antwort: Wir empfehlen Entwicklungsprogramme für die Organisation, die auch beinhalten, dass sich das Management so weiterentwickelt, dass die gesteckten Ziele erreicht werden. Aus unserer Sicht gibt es verschiedenste Ansatzpunkte, um mit der bestehenden Mannschaft erfolgreiche Veränderungsprozesse zu initiieren. Auf jeden Fall sollten sich die Führungskräfte mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Welche Denkmodelle helfen uns, unsere Organisation innovativer zu gestalten?
  • Wie müssen wir unsere eigene Haltung und unser eigenes Handeln weiterentwickeln?
  • Wie integrieren wir die Entwicklung des Konfliktlösungs- und Entscheidungsverhaltens in unserer Organisation mit den betriebswirtschaftlichen Veränderungen?

 

Frage: In welchen Situationen halten Sie den Austausch von einzelnen Führungskräften für zwingend notwendig?

Antwort: Widerstandsreaktionen gegen Veränderungen liegen in der Natur der Sache. Der konstruktive Umgang mit dem daraus erwachsenen Energiepotential ist einer der Erfolgsfaktoren für Veränderungsprozesse. Wenn aber die Führungskraft nicht willens oder in der Lage ist, den Wandel aktiv mitzugestalten oder die angestrebten Veränderungen blockiert bzw. sabotiert, dann ist der Austausch unumgänglich.

 

Wer wir sind:

Im BDU-Fachverband Change Management sind aktuell rund 20 auf dieses Beratungssegment spezialisierte Expertinnen und Experten organisiert. Der Fachverband Change Management wurde im Jahr 2005 von BDU-Beraterinnen und -beratern unterschiedlicher Fachdisziplinen gegründet, die eine Aufgabe in den Mittelpunkt des neuen Fachverbandes stellen wollten, die in der Beratungspraxis immer stärker gefordert wird: die konstruktive Gestaltung von Veränderungsprozessen. Unser Fachverband trifft sich drei Mal im Jahr und bietet ein qualifiziertes Forum für den Erfahrungsaustausch und zur Erweiterung der persönlichen Beratungskompetenz. Unsere Mitglieder verbindet das Ziel, Erfahrungen und Neuerungen in unserem Arbeitsgebiet miteinander zu diskutieren und in die tägliche Arbeit einfließen zu lassen. Darüber hinaus schließen sie sich auch zu projektbezogenen Partnerschaften oder für gemeinsame Ausarbeitungen zu bestimmten Themen zusammen.

 

Über den Fachverband Change Management im BDU e.V.

Der Fachverband Change Management feiert 2015 sein 10-jähriges Bestehen. Unter dem Dach des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) beschäftigt sich die 20-köpfige Expertengruppe mit den wichtigsten Trends und Zukunftsfragen rund um die Gestaltung von Veränderungsprozessen, bringt wissenschaftliche Ansätze und Beratungspraxis zusammen, bezieht Stellung zu aktuellen Themen und gibt Entscheidern in Unternehmen konkrete Empfehlungen an die Hand. Dabei versteht sich der Fachverband als Impulsgeber und Plattform für Dialog und Reflexion.



Website des BDU-Fachverbandes Change Management
facebook twitter linkedin xing
Die neuesten Artikel im BDU-Fachartikelbereich

Marken im Sanierungsprozess nutzen

Corona stellt viele Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Oft muss man dabei leider feststellen, dass ein umfassender Sanierungsprozess des Unternehmens unabdingbar ist. Die Marken des Unternehmens spielen hierbei eine Schlüsselrolle. 

[29.07.2020 | verfasst von Bert Klingsporn und Ottmar Franzen | Berater | ANXO MANAGEMENT CONSULTING GmbH]

Gründung durch Nachfolge im Mittelstand

Jährlich müssen rd. 30.000 übernahmewürdige Unternehmen ihre Nachfolge regeln. Etwa 10.000 Unternehmen werden dabei an Existenzgründer/Innen übergeben, rund 5.700 davon an Mitarbeiter des Unternehmens und 4.300 an von außen in das Unternehmen kommende Nachfolger/Innen. Ein Unternehmenserwerb ist für viele Existenzgründer – aber auch für die übergebenden Unternehmer – ein im Leben einmaliger Vorgang von enormer Tragweite und höchster Komplexität.

[27.07.2020 | verfasst von Autoren von omegaconsulting GmbH, Butz Consult GmbH, PERICON Unernehmensberatung GmbH, con|cess Marketing und Verwaltungs GmbH | ]

Fünf Schritte eines geordneten Ausstiegs aus dem Corona-Krisenmodus für Unternehmen

Es gibt kaum ein Unternehmen, das von sich behaupten könnte, keine Auswirkungen der Corona-Krise gespürt zu haben. Auch wenn die Betroffenheitsgrade höchst individuell sind, gibt es allgemeine Handlungsempfehlungen, von denen alle Unternehmen profitieren können. Die zentrale davon ist, eine systematische Bestandsaufnahme und Neubewertung des IST-Zustandes vorzunehmen, um einen geordneten Ausstieg aus dem Krisenmodus dem Unternehmen und den Mitarbeitern zu ermöglichen.

[16.07.2020 | verfasst von Jennifer Reckow | Geschäftsführung | processline GmbH]
Service
penzil
Sie sind Mitglied und möchten auch einen Artikel einstellen?
Ich möchte einen eingestellten Artikel löschen.
penzil
Top