Change Management - Ein Überblick über das Beratungsfeld

verfasst von Andrea Maurer-Schlangen (Geschäftsführerin); CMMaurer GmbH | und | Jennifer Reckow (Geschäftsführerin); processline GmbH

Der Fokus liegt im Veränderungsmanagement auf der ganzheitlichen Betrachtung, und nicht in der Detailtiefe eines einzelnen Organisationsaspektes. Es bedarf daher der Perspektive auf die Organisation und weniger auf das Individuum. Für wen eignet sich dieses Berufsfeld und warum setzen immer mehr Unternehmen auf das Beratungsfeld?


Die Disziplin Change Management bzw. Veränderungsmanagement beschäftigt sich mit der Frage, wie Veränderungs- und Lernprozesse in Organisationen (= Innovationen) erfolgreich gestaltet werden. Ziele dieser Veränderungsprozesse sind die Lösung von Business-Problemen und die Weiterentwicklung der Organisation. Eine qualifizierte Change-Management-Beratung definiert und gestaltet gemeinsam mit den Verantwortlichen die Veränderungsmaßnahmen, die zur nachhaltigen Bewegung des Unternehmens führen, und begleitet bei der Umsetzung. Denn nur durch eine Erfassung der aktuellen Situation, gemeinsame Entwicklung des Zielbildes und der notwendigen Change-Architektur in Co-Creation mit der Projekt- und Unternehmensführung, sowie einer ausreichenden Einbindung der Mitarbeitenden kann eine nachhaltige und ganzheitlich integrative Veränderung gelingen.

 

Gemeinsamkeiten mit und Abgrenzung zu anderen Beratungsfeldern

Basierend auf systemischen und organisationalen Denkbildern wird die Organisation im Change- bzw. Veränderungsmanagement immer als Ganzes betrachtet. Es gilt, die fünf Kernelemente Strategie, Technik, Abläufe, Organisation und Kultur harmonisch miteinander in Einklang zu bringen. Daher gibt es durchaus Berührungspunkte mit anderen Beratungsfeldern wie der Strategie-, Human-Resources- und IT-/Technologieberatung.


Der Fokus liegt im Veränderungsmanagement jedoch auf der ganzheitlichen Betrachtung, statt in der Detailtiefe eines einzelnen Organisationsaspektes: ChangeManagement-Berater:innen gestalten Prozesse und Vorgehen innerhalb eines Veränderungsvorhabens, ohne dabei in die inhaltliche Tiefe eines einzelnen Teilaspektes einzusteigen. Es bedarf der Perspektive auf die Organisation und weniger auf das Individuum. Innerhalb der Organisations- und Prozessberatung macht die Change-Management-Beratung nach Zahlen des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) einen Anteil von ca. 3 Prozent aus.

 

Typische Tätigkeitsfelder und Beratungsaufgaben

Change-Manager:innen konzipieren, gestalten und begleiten Veränderungsprozesse und -architekturen. Damit können grundsätzlich alle weitreichenden Veränderungen in einer Organisation gemeint sein – von einer Umstellung der IT-Systeme bis hin zu Restrukturierungen – die Aufgabengebiete sind vielschichtig. Dabei ist jedes Change- Vorhaben so individuell wie die Organisation selbst. Ein starres Korsett gibt es nicht, und Maßnahmen (Change-Architektur) müssen immer individuell konzipiert und je
nach sich ändernden Rahmenbedingungen neu angepasst werden (iteratives Vorgehen). Hierfür benötigen Change-Vorhaben eine klare Prozessstruktur. Der BDU-Fachverband Change Management orientiert sich an einem klassischen Vier-Phasen-Modell: Analyse des Veränderungsvorhabens, Analyse der Organisation, Entwicklung der Vorgehensarchitektur und Umsetzung der Veränderung.

 

Warum Organisationen auf professionelle Change-Management-Beratung setzen

Während die wirtschaftliche Relevanz organisationaler Veränderungsprozesse unaufhörlich steigt, ist die Bilanz der Umsetzung mager: Die Erfolgsquote der Change-Vorhaben ohne professionelles Change Management bewegt sich laut der Change-Fitness-Studie von Mutaree um die 20 Prozent. Indes ist es nicht überraschend, dass das Bewusstsein für die Bedeutung von Change-Kompetenz stetig zunimmt. Professionelles Change Management bringt einen enormen Vorteil in Veränderungsvorhaben: Aufgrund der ganzheitlichen Perspektive sowie einer vorausschauenden Kompetenz und Erfahrung im Veränderungsmanagement werden einseitige Maßnahmenpakete, unnötige Verzögerungen und Störungen vermieden. Die Einbindung aller Beteiligten mit dem Fokus auf das Verstehen der Notwendigkeit der Maßnahmen und Projekte (Perspektivwechsel) stützt den langfristigen Veränderungsprozess. Kritische Phasen, die in jedem Veränderungsvorhaben vorkommen, werden so erfolgreich gemanagt und Produktivitätseinbrüche minimiert. Die Qualität und Wirksamkeit der Veränderung wird nachhaltig gesteigert.

 

Change-Management-Beratung als Berufsfeld

Change-Berater:in ist wie im Consulting üblich kein Beruf mit einheitlichem Ausbildungsweg. Ein betriebswirtschaftliches Studium oder vergleichbare Berufserfahrung wird i.d.R. jedoch vorausgesetzt. Weiterbildungsinstitute bieten zudem vertiefende Lehrgänge im Bereich Change Management an. Ein Einstieg ist je nach Größe der Beratung grundsätzlich ab dem Studium möglich, aber auch Quereinsteiger:innen mit Berufserfahrung und branchenspezifischem Wissen sind gefragt. Wichtige Fähigkeiten als Change Consultant sind neben den klassischen Anforderungen im Beratungsleben eine schnelle Auffassungsgabe, der Blick fürs Ganze, ausgeprägte Kommunikationsstärke, die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge im organisationalen Rahmen zu erkennen und in der Komplexität unterschiedlicher Perspektiven zu verstehen sowie eine strukturierte Arbeitsweise.


Der Bereich Change Management ist sehr vielseitig und abwechslungsreich, da die Herausforderungen der Kundenunternehmen höchst individuell sind. Außerdem gewinnt Change Management in einer immer stärker von Veränderungen geprägten Welt stetig an Bedeutung und ist ein klarer Zukunftsmarkt. Ein attraktives Gehalt, Provisionsbeteiligungen und Benefits sowie ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag zeichnen den Beruf zudem aus.

 

 

 

Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung 2023" von e-fellows, verfasst von BDU-Mitgliedern aus dem Fachverband Change Management. 

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