Multi-Krisen-Situation dämpft Zuversicht in der Consultingbranche für 2023


Die aktuelle Geschäftsklimabefragung des BDU im Consulting zeigt eine vielfach noch gute Geschäftslage der Beratungsunternehmen im 3. Quartal 2022. Die Vorbereitungen auf unterschiedliche Konjunktur-Szenarien werden jedoch bereits verstärkt.

Die aktuelle Geschäftslage wird vom Großteil der deutschen Consultingfirmen noch als gut bezeichnet. Gleichzeitig schätzen die Unternehmensberatungen die Aussichten für ihre Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten merklich zurückhaltender ein. Die Stimmungseintrübung lässt den Indexwert in der vom Bundesverband Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) vierteljährlich durchgeführten Geschäftsklimabefragung in der Consultingbranche für das 3. Quartal 2022 auf 95,3 sinken (Q2/2022: 100,2). Dies ist die vierte Abwärtsbewegung in Folge. Der Consulting-Branchenindikator liegt aber im Vergleich mit dem ifo-Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft, der nach der gleichen Systematik wie der des BDU erhoben wird, auf einem noch deutlich höheren Niveau (ifo-Geschäftsklimaindex 09/2022: 84,3).


Aktuelle Geschäftslage vielfach noch gut, aber...

In vielen Unternehmensberatungen sind die Auftragsbücher zwar zurzeit noch gut gefüllt. Neun von zehn Marktteilnehmern geben an, dass sie mit ihrer aktuellen Geschäftssituation im Plan (49 %) oder sogar darüber liegen (41 %). Bei der Einschätzung der Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate überwiegen allerdings in der Consultingbranche erstmals seit längerem wieder die Skeptiker. Der Anteil der Unternehmensberatungen, die eine ungünstigere Geschäftsentwicklung erwarten, ist auf 27 Prozent gestiegen (Anteil im Q2/2022: 19 %).

 

 

Sanierungsberatung auf dem Gaspedal - IT-Beratung vermehrt auf der Bremse

Bei den Beratungsfeldern zeigen die Ergebnisse der jüngsten BDU-Geschäftsklima-Befragung besonders zwei gegenläufige Entwicklungen. Der Anteil der Unternehmen in der Sanierungsberatung, die mit ihrer aktuellen Geschäftslage über der Soll-Planung liegen, ist im Q3/2022 deutlich auf knapp 60 Prozent gestiegen (Q2/2022: 37 %), eine Folge der zurzeit vermehrten Insolvenzen in der Wirtschaft. Auffällig ist aber, dass bei den Sanierungsberatungen für die kommenden sechs Monate nur noch ein Viertel von einer nochmals günstiger werdenden Geschäftslage ausgeht. Im Q2/2022 hatte dieser Anteil noch bei 53 Prozent gelegen. 

 

 

Im Beratungsfeld IT ist hingegen die zunehmende Investitionszurückhaltung der Kunden spürbar angekommen. Während Mitte des Jahres noch 60 Prozent der IT-Beratungen ihre Geschäftslage als gut (über Plan) bezeichneten, ist deren Anteil im Q3/2022 auf 40 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass die Kunden der Consultants angesichts der volatilen Rahmenbedingungen in der Multi-Krisen-Situation besonders große und langlaufende IT-Projekte erst einmal zeitlich schieben. Aus Sicht der IT-Beratungen wird dies auch erst einmal so bleiben: 38 Prozent gehen davon aus, dass die Geschäftsaussichten sich im kommenden Halbjahr verschlechtern werden (günstiger werden: 20 %).

 

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