Die Bedeutung digitaler Beratungsangebote wächst auch für kleinere Consultingfirmen


Die Digitalisierung nimmt zunehmend Einfluss auf die Zusammenarbeit von Unternehmen mit Consultingfirmen – auch die Geschäftsmodelle von kleineren Unternehmensberatungen verändern sich hierdurch. Teilweise oder vollständig virtualisierte Prozesse, ein digital ergänztes Leistungsangebot sowie angepasste Organisationsstrukturen bringen Vorteile für beide Seiten: Kostensenkung, noch optimalere Abdeckung der Kundenanforderungen und die Verbesserung der Work-Life-Balance von Mitarbeitern. Aber auch Risiken wie Datenschutz und -sicherheit oder die Schwächung der Kunden-Berater-Beziehung werden gesehen. Bislang verlaufen die Veränderungen im People Business Beratung evolutionär.

Das geht aus der vom BDU unterstützten Studie „Aktueller Stand der digitalen Transformation im deutschen Markt für Unternehmensberatung“ hervor, die von der Technischen Hochschule Ilmenau sowie dem AWS-Institut für digitale Produkte und Prozesse gGmbH durchgeführt wurde. Ziel der Untersuchung war, besonders die einhergehenden Veränderungen bei kleineren Unternehmensberatungen zu beleuchten. Befragt wurden sowohl Consultants als auch erstmals deren Kunden. Insgesamt haben 233 Unternehmensberater – überwiegend aus kleineren und darüber hinaus mittleren Consultingfirmen – und 67 Kunden an der Studie 2018 teilgenommen. Die Studie war als Nachfolgestudie einer im Jahr 2016 durchgeführten Erhebung zur Virtualisierung im Consulting konzipiert.

 

Kein "One-size-fits all"


Die Mehrheit der Berater unter den Studienteilnehmern ordnet sich über alle Beratungsfelder hinweg selbst in Level zwei und drei des Reifegradmodells (siehe Grafik) ein. Das wissenschaftliche Modell der Studienleiter erfasst in vier Stufen, wie stark sich die Beratungsprozesse ortunabhängig entwickeln. Damit ist der Reifegrad der Virtualisierung in den Geschäftsmodellen der Unternehmensberatungen im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2016 deutlich vorangeschritten. 

 Reifegrad

 

Die Studienergebnisse zeigen aber auch: Das tatsächliche Potenzial von digitalen Lösungen oder Anwendungen im Consulting ist größer als der derzeitige Nutzungsgrad durch die kleineren Beratungsanbieter. Zwar setzen die Studienteilnehmer beispielsweise Audio- und Videokonferenzen, Suchmaschinenoptimierung oder die Rechnungserstellung über webbasierte Plattformen ein, aber Beratungsansätze wie Algorithmic-Consulting – hierunter ist unter anderem die automatisierte Analyse und Aufbereitung großer Datenmengen zu verstehen – oder Consulting-Self-Services – hier werden den Klienten digitale Beratungslösungen zur Eigennutzung zur Verfügung gestellt – werden deutlich seltener angeboten. Allerdings spielt in der Praxis auch eine entscheidende Rolle, in welchem Beratungsfeld oder in welcher Kundenbranche die Unternehmensberatungen Leistungen anbieten. So werden digitale Anwendungen zum Beispiel in der Praxis in Marketing- oder IT-Beratungsprojekten viel häufiger eingesetzt als in der Sanierungsberatung oder in der HR-Beratung. Auch die Kundenbranchen sind unterschiedlich weit in der digitalen Transformation, zum Beispiel hat die Bauindustrie insgesamt noch größeren Nachholbedarf. Hinzu kommt, dass nicht selten der Einsatz bestimmter digitaler Tools von Kundenseite vorgegeben wird. In der Studie sind diese Zusammenhänge aber nicht näher untersucht worden. Als Fazit lässt sich trotzdem feststellen: Vor allem im Marktsegment der kleineren Unternehmensberatungen oder Einzelberater gibt es noch genügend Spielraum für die Entwicklung digitalisierter Beratungsangebote. Große und mittlere Consultingfirmen sind hier aufgrund der besseren finanziellen und personellen Ressourcen deutlich weiter.

 


Kunden sehen Vorteile, aber auch Risiken


Auch die Kunden der kleineren Unternehmensberatungen sehen die Entwicklung im Consulting eher als Evolution denn als Disruption. Knapp Dreiviertel bewerten digitale Beratungsleistungen als notwendige komplementäre Unterstützung zu klassischen Angeboten. Rund 87 Prozent der Auftraggeber sind der Meinung, dass der Einsatz digitaler Tools und Lösungen vom jeweiligen Projektszenario abhängig ist. Besonders wichtig sind den Kunden hier organisatorisch-projektbezogene Faktoren. So schätzen beispielsweise knapp 70 Prozent die räumliche und zeitliche Flexibilität, rund 61 Prozent die Einsparung von Reisekosten. Allerdings erleben auch knapp 60 Prozent der Kunden den Nachteil, dass digitale Anwendungen die Kunden-/Beraterbeziehung schwächen. Auch die Auswirkungen auf Kommunikation, Koordination und IT-Sicherheit werden tendenziell kritisch bewertet.

 Vor- und Nachteile aus Kundensicht

Datenschutz und -sicherheit besitzt hohe Bedeutung für Consultants


Überdurchschnittlich viele Consultants sehen bei digitalen Beratungsangeboten größere Hürden bei Datenschutz, -sicherheit und -sicherung. Besonders in den Projektphasen Problemanalyse (Zustimmung: 91,3 Prozent) sowie Problemlösung und Implementierung (Zustimmung: 92,9 Prozent) wird die Relevanz besonders hoch bewertet. Die Akquisephase beinhaltet aus Beratersicht weniger datenrelevante Risiken.

 

 

Der Beratungsmarkt verändert sich. Digitale Beratungsleistungen werden von den Kunden als notwendige komplementäre Unterstützung zu klassischen Angeboten wahrgenommen. Der Relevanz digitaler Geschäftsmodell-Transformationen in der Unternehmensberatung stimmt die klare Mehrheit der befragten Berater zu.

  

 

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